1989 – Epochenjahr in Europa

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa war geprägt von der Teilung des Kontinents. Den freiheitlich verfassten Staaten in Westeuropa standen die kommunistischen Regime unter der Vormachtstellung der Sowjetunion gegenüber. In Mittel- und Osteuropa hat es zu allen Zeiten Widerstand gegen die Diktatur gegeben. Der Volksaufstand am 17. Juni 1953 in der DDR, die blutig niedergeschlagene Revolution in Ungarn sowie der Arbeiteraufstand in Posen 1956 und der gescheiterte Prager Frühling 1968 seien als große Eckdaten genannt.

Die polnische Freiheitsbewegung Solidarność, zu Beginn der 1980er-Jahre in Polen, leitete schließlich eine Entwicklung ein, an deren Ende die zumeist friedlichen Revolutionen in den Ländern Mittel- und Osteuropas standen. Die Friedliche Revolution in der DDR ist somit Teil der gesamteuropäischen Geschichte. Die Selbstbefreiung von der kommunistischen Diktatur 1989/90 ist ein europäisches Phänomen.

In Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und den baltischen Staaten: Überall gingen die Menschen auf die Straße, um für Freiheit und Demokratie einzustehen. Ebenso wie der Protest der Menschen in der DDR, der zur Demokratisierung und zur Wiedervereinigung beitrug und Deutschland veränderte, formten die weitgehend friedlichen Revolutionen Europa neu und sind heute wichtiger Teil der europäischen Identität.

In den zurückliegenden Jahren hat sich die Friedliche Revolution als zentrales Datum der deutschen Nationalgeschichte im öffentlichen Bewusstsein zunehmend etabliert. Bis zum 25. Jubiläum der Friedlichen Revolution stehen in Leipzig daher die Entwicklungen in mittel- und osteuropäischen Nachbarländern und die Bedeutung der friedlichen Selbstbefreiung von der kommunistischen Diktatur für den europäischen Einigungsprozess im Fokus. Themenschwerpunkte waren 2011 Polen und 2012 Ungarn. In diesem Jahr folgen mit Tschechien und der Slowakei die Nachfolgestaaten der Tschechoslowakei