Freiheits- und Einheitsdenkmal

Die Rolle Leipzig als die Stadt der Friedlichen Revolution wird mit einem nationalen Freiheits- und Einheitsdenkmal gewürdigt. Zum Gedenken an den Herbst 1989 soll in Leipzig ein im Jahr 2008 vom Bundestag und 2010 vom Freistaat Sachsen beschlossenes sowie finanziertes Denkmal errichtet werden. Intensive und teils kontroverse Diskussion wurden seitdem über die Bedeutung und den Standort eines solchen Denkmals geführt. Im Ergebnis der intensiven Bürgerbeteiligung sowie einer Jugend- und einer Expertenwerkstatt hat nun der Leipziger Stadtrat einen eindeutigen Beschluss gefasst: Auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz wird bis zum 25-jährigen Jubiläum der Friedlichen Revolution das Denkmal errichtet, welches an die Zivilcourage der mutigen Bürger in der DDR erinnern soll.

Zurzeit wird die Ausschreibung für den künstlerischen Wettbewerb des Denkmals vorbereitet. Die der Ausschreibung vorangehende Werkstattphase sollte aus dem Dreieck der Themen Inhalt, Kunst und Standort eine zusammenhängende Aufgabenstellung für den Wettbewerb entwickeln.

Eingeleitet wurde die Werkstattphase mit einer Bürgerumfrage, zu der 3000 repräsentativ ausgewählte Leipziger angeschrieben worden waren. Nach drei Wochen konnten 1002 Fragebögen ausgewertet werden. Rund 54 Prozent aller Einsender gaben an, dass das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal große Bedeutung für die Stadt Leipzig haben werde. Für jeden zweiten Befragten soll das geplante Denkmal hauptsächlich für die Zivilcourage der Bürger zur Überwindung eines totalitären Regimes stehen. Bei der Standortfrage soll der Bezug zu den Montagsdemonstrationen auf dem Leipziger Innenstadtring wichtigstes Auswahlkriterium sein. Das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal soll jedoch nicht nur retrospektiv die Erinnerung und Würdigung der Friedlichen Revolution in den Vordergrund stellen, sondern eine in die Zukunft gerichtete Dimension haben und so nachfolgende Generationen erreichen.

Aus dieser Zielsetzung heraus fand im Februar 2011 eine internationale Jugendwerkstatt mit Teilnehmern aus Leipzig und den Partnerstädten Hannover, Krakau und Houston statt. Gewaltfreiheit, der Mut zum Handeln, das Aktivwerden, das Durchhaltevermögen und der Zusammenhalt der Demonstranten, sowie die Grund- und Menschenrechte waren für die Jugendlichen zentrale Botschaften für das Denkmal. „Der gesamte Prozess der Friedlichen Revolution führte zu einer politischen Veränderung, die gewaltfrei und ohne Blutvergießen durchgesetzt werden konnte. Das Denkmal steht für diesen Prozess, der auch für zukünftige Generationen eine Motivation sein soll.“, so die Teilnehmer.

Die Standortfrage wurde in der Jugendwerkstatt sehr intensiv diskutiert. Die Jugendlichen gingen vorurteilsfrei in die Diskussion und haben ihr Meinungsbild durch die direkte Auseinandersetzung vor Ort gewonnen. Am Ende der Diskussion trat der Leuschnerplatz als klarer Favorit hervor, sahen die Jugendlichen hier doch die größten Chancen für die Stadt und das Denkmal.

Das gemeinsam entwickelte Ergebnis wurde in die Expertenwerkstatt transferiert, welche direkt im Anschluss an die Jugendwerkstatt stattfand. Die Expertenwerkstatt setzte sich zusammen aus Leipziger Bürgern, Bürgerrechtlern aus Plauen, Erfurt und Leipzig sowie renommierten Historikern, Kunstwissenschaftlern und Städtebauexperten. Sie berieten über die inhaltliche Botschaft, die künstlerische Aufgabenstellung und den an den Stadtrat zu empfehlenden Standort. Zwei Vertreter der Jugendwerkstatt wurden als Botschafter der zukünftigen Generationen in die Expertenwerkstatt entsandt und haben dort ihren Standpunkt eingebracht. In der intensiven zweitägigen Auseinandersetzung wurden wichtige Kernaussagen zur Botschaft, künstlerischen Aufgabenstellung und zum Standort erarbeitet. „Freiheit ist nicht zu gewinnen und zu bewahren ohne den Mut, sich auch unter Gefahren für sie einzusetzen.“, so die Experten zur Aussage der Friedlichen Revolution. Für die künstlerische Aufgabenstellung formulierten die Experten: „Das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal soll ein Kunstwerk sein, das zur Erinnerung, zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung auffordert. Mit künstlerischen Mitteln soll es einen von der Gegenwart aus gestalteten Erinnerungsprozess anstoßen und die Erfahrungen aus der Friedlichen Revolution von der Vergangenheit ins Heute und in die Zukunft überführen. Das Denkmal soll die Lebendigkeit im „kommunikativen Gedächtnis“ in eine Nachhaltigkeit im „kulturellen Gedächtnis“ überführen. Das Denkmal soll individuell erfahrbar sein und sich zugleich als Zeichen im Leipziger Stadtraum dauerhaft und präsent verorten.“ Das Denkmal wird Teil eines mehrschichtigen Erinnerns sein, welches aus den authentischen Orten bzw. den Lernorten der Stadt (Museen, Gedenkstätten, Stelen), dem aktiven Gedenken (Lichtfest, Demokratierede, Friedensgebete) und einem plastischen Denkmal mit nationaler Bedeutung besteht.

Das Expertengremium war sich einig, dass der Wilhelm-Leuschner-Platz der für die Wettbewerbsaufgabe geeignetste Standort ist. Hinsichtlich der Folgekosten und stadträumlicher Sichtbarkeit erfüllt er am deutlichsten die Kriterien der Bürgerumfrage, die von den Bürgern als wichtig betrachtet werden. Durch seine unmittelbare Lage am Promenadenring und Nachbarschaft zum Neuen Rathaus steht dieser Standort auch in einer direkten räumlicher Korrespondenz mit den authentischen Orten der Montagsdemonstrationen, bietet jedoch die besondere Chance, einen neuen öffentlichen Raum zu schaffen, der für die nationale Dimension des Denkmals optimale Voraussetzungen bietet.

Dieser Vorschlag sowie die anderen Ergebnisse der Werkstattphase wurden im anschließenden Bürgerforum den interessierten Bürgern vorgestellt und mit ihnen diskutiert. Die Ergebnisse der Bürgerumfrage, der Werkstätten sowie der abschließenden Diskussion des Bürgerforums wurden zusammengetragen und mit einer Standortempfehlung dem Stadtrat übergeben. Nach Prüfung aller Aspekte beschloss der Stadtrat den Standort Wilhelm-Leuschner-Platz.

Im Sommer 2011 startet ein offenes Bewerbungsverfahren, an dem sich professionelle Künstler aus der ganzen Welt beteiligen können. Ein Auswahlgremium wird aus den Bewerbungen 35-40 Künstler und interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaften aus Künstlern, Architekten, Landschaftsarchitekten, Stadtplanern und Ingenieuren auswählen, die an dem Wettbewerb teilnehmen werden. Im Frühjahr 2012 werden die Entwürfe durch ein Preisgericht bewertet und drei Preisträger ausgewählt werden.

Gemäß Stadtratsbeschluss werden die ersten drei Siegerentwürfe in einer Einwohnerversammlung nach § 22 SächsGemO vorgestellt. Unter Würdigung der Preisgerichtsempfehlung wird der Stadtrat den auszuführenden Entwurf dem Vergabegremium zur Umsetzung vorschlagen.

Zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution 2014 soll am 9. Oktober das Denkmal feierlich eingeweiht werden.