Juli 1989

Vom 6. bis 9. Juli fand in Leipzig der Kirchentag statt, den die staatlichen Stellen im Bezirk mit einem großen Aufwand zu "sichern" versuchten. Die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit erließ eigens für diese vier Tage unter dem Decknamen "Aktion Kongreß 89" einen 13-seitigen Maßnahmeplan. An die Genehmigung des Kirchentages hatte der Staat eine Vielzahl Bedingungen, vor allem die Friedensgebete betreffend, geknüpft. "[...] die über Monate geführte intensive Gesprächsführung und differenzierte Einflußnahme auf allen Ebenen" zeitigte ihre Wirkung. Das offizielle Programm enthielt dann auch viele Zugeständnisse an den Staat.
Die Veranstalter stellten religiöse Themen in den Vordergrund und klammerten bewußt politische Probleme aus. Sie distanzierten sich unter dem staatlichen Druck deutlich von den Basisgruppen. Ein Fernschreiben der SED-Bezirksleitung Leipzig an das ZK der SED formulierte: "Im Gefolge der intensiv geführten Auseinandersetzung mit der sächsischen Kirchenleitung wurde bereits im Vorfeld des Kirchentages auch Klarheit darüber geschaffen, daß sie gegenüber den bekannten Gruppen die volle Verantwortung trägt und selbst für deren Disziplinierung zu sorgen habe."
Die Leipziger Basisgruppen organisierten in der Lukaskirche einen "Statt-Kirchentag", an dem ca. 2.500 Personen teilnahmen. Hier traf sich die Opposition fast aus der ganzen DDR und tauschte sich über die aktuelle Lage sowie über zukünftige Konzepte und Aktionen aus.
Nach dem Abschlussgottesdienst des offiziellen Kirchentages an der Leipziger Rennbahn bildete sich eine Demonstration gegen Wahlbetrug und für Demokratie, die bis in die Stadt ziehen konnte. Auf dem Weg entrissen Stasi-Mitarbeiter den Demonstranten die Transparente und flüchteten in eine Straßenbahn. In der Peterskirche fand die Aktion mit einer Andacht ihren Abschluss.