Mai 1989

Am 7. Mai fand die von der SED mit großem agitatorischem Aufwand vorbereitete Kommunalwahl statt. Den reibungslosen Ablauf versuchte die Staatssicherheit unter dem Decknamen "Aktion Symbol" abzusichern.
Mitglieder verschiedener oppositioneller Gruppen hatten die Kontrolle der Stimmenauszählung in den 84 Wahllokalen des Stadtbezirkes Leipzig-Mitte organisiert. Im Ergebnis dieser Auszählung stellten sie fest, daß sowohl die Wahlbeteiligung (um ca. 7 %) als auch die abgegebenen Ja-Stimmen (um ca. 5 %) niedriger als das offizielle Wahlergebnis lagen. Erstmals war es gelungen, der DDR-Führung Wahlbetrug nachzuweisen.
Trotzdem liefen in der Folgezeit alle Einsprüche gegen die Wahl und Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen ins Leere. Erst im Juni 1990 wurde der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister, Bernd Seidel, wegen Wahlfälschung zu acht Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt.
In den frühen Abendstunden des 7. Mai versammelten sich ca. 1.000 Personen - Demonstranten, Besucher der Markttage und zivile Sicherheitskräfte - auf dem Markt. Zur Demonstration hatte wiederum die "Demokratische Initiative - Initiative zur demokratischen Erneuerung der Gesellschaft" auf Flugblättern wenige Tage vor der Wahl aufgerufen. Alle Nichtwähler sollten sich hier offen bekennen, indem sie ihre Wahlberechtigungsscheine demonstrativ in einer Urne sammelten. Ebenso war zu einer Demonstration vor das Völkerschlachtdenkmal eingeladen worden. Die Initiatoren wurden dafür noch im August zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt.
An diesem Tag traten Volkspolizei und Stasi wieder brutal auf. Sie verhafteten weit über 100 Personen und verhörten sie bis in die frühen Morgenstunden. Bereits im Vorfeld der Wahl und der Kontrolle der Stimmenauszählung war es zu zahlreichen Festnahmen im ganzen Stadtgebiet gekommen.