2019

Herbstkino am Matthäikirchhof vom 3. bis 8. Oktober 2019: Ein Projekt des Arbeitskreises "Forum für Freiheit und Bürgerrechte"

Beim „Herbstkino am Matthäikirchhof“ werden vom 3. bis 8. Oktober 2019 jeweils um 19.15 Uhr auf dem Gelände der ehemaligen Leipziger Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Filme gezeigt, die sich mit der SED-Diktatur in der DDR, der Friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit sowie dem nachfolgenden Transformationsprozess befassen. Bei Regenwetter finden die Veranstaltungen im ehemaligen Stasi-Kinosaal (Goerdelerring 20) statt. Der Eintritt ist frei.

Das Areal der früheren Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig zwischen Dittrichring und Matthäikirchhof soll zu einem „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ weiterentwickelt werden. Bis 1989 thronte der monströse Gebäudekomplex als „Zwingburg der SED-Diktatur“ mitten in der Stadt. Während der Friedlichen Revolution führten die Montagsdemonstrationen seit dem 2. Oktober 1989 an dem Gebäudekomplex vorbei, der am 4. Dezember 1989 friedlich besetzt wurde. So ist die „Runde Ecke“ heute sowohl ein authentischer Ort der Geschichte von Repression und Unterdrückung in der DDR als auch von der Selbstbefreiung der SED-Diktatur durch die Friedliche Revolution. Das historische Gelände der ehemaligen Leipziger Bezirksverwaltung für Staatssicherheit entwickelte sich in den vergangenen fast 30 Jahren zu einem Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand. Der Ort ist hervorragend geeignet, um in der Weiterentwicklung aus verschiedenen Perspektiven autoritäre Herrschaftsmechanismen des 20. Jahrhunderts zu beleuchten, die allgemeine Auseinandersetzung mit diesen und die historisch-politische Bildung in der Gegenwart zu fördern. Es ist ein weit über die Stadt hinaus bekannter symbolischer Ort der siegreichen Bürgerrechtsbewegung über die SED-Diktatur und besitzt mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden das besondere Potenzial, Raum für dieses Ziel zu schaffen.

Der Arbeitskreis „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“

Mit der Idee, die drei sächsischen Archive der BStU im Erinnerungsverbund mit dem Bürgerkomitee Leipzig e.V., Träger der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit dem Museum im Stasi-Bunker, dem Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V., der Stiftung Friedliche Revolution und dem Schulmuseum - Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig - zu verbinden, könnten neue Akzente gesetzt und Impulse für die historisch kritische Beschäftigung mit den Diktaturen und den Formen der Gewaltherrschaft in Europa für die gesamte Bundesrepublik und darüber hinaus ins Ausland gegeben werden. Durch die Netzwerkbildung und die damit verbundene Bündelung historischer Quellen, Ausstellungen, Zeitzeugenberichte etc. könnte dieser Erinnerungs-, Forschungs- und Bildungsort weiterentwickelt werden. So wird aus dem einst einschüchternden Ort der Diktatur ein Zentrum lebendiger Demokratie und des Austausches von Generationen zu Zeitgeschichte, Gegenwart und Zukunft. Um diesen Prozess weiter voran zu bringen, haben sich die bereits am Ort aktiven Einrichtungen, die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, das Stasi-Unterlagen-Archiv und das Schulmuseum - Werkstatt für Schulgeschichte, sowie die künftig hier aktiven Einrichtungen, das Archiv Bürgerbewegung Leipzig und die Stiftung Friedliche Revolution, zum Arbeitskreis „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ zusammengeschlossen. Sie treten in diesem Jahr zum zweiten Mal mit einem Veranstaltungsprogramm an die Öffentlichkeit.

Das Programm im Überblick

Eröffnet wird das „Herbstkino am Matthäikirchhof“ am Tag der Deutschen Einheit. Am Donnerstag, den 3. Oktober 2019, wird eine der spektakulärsten DDR-Fluchtgeschichten mit dem Film „Der Ballon“ gezeigt. Im Jahr 1979 wagten die Familien Strelzyk und Wetzel einen Fluchtversuch mit einem selbstgebauten Heißluftballon. Veranstalter: Arbeitskreis „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“.

Am Freitag, den 4. Oktober 2019, werden mit dem Film „Alles andere zeigt die Zeit“ drei Protagonisten vorgestellt, die sich zur Zeit der Wende in der Phase des Erwachsenwerdens und der Selbstfindung befanden. Nach 25 Jahren begegnet Filmemacher Andreas Voigt den Protagonisten wieder und zeigt, was aus ihnen geworden ist. Veranstalter: Stiftung Friedliche Revolution.

Am Samstag, den 5. Oktober 2019, erzählt „Zwischen den Zeiten“ eine Geschichte von Liebe und Grenzen, Jugenderinnerungen und dem Verlauf der Zeit. Annette Schuster, Westdeutsche und Mitarbeiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde, findet in zerrissenen Akten Hinweise auf ihre Jugendliebe Michael Rosch, der in der DDR aufwuchs und nach einem missglückten Fluchtversuch vom DDR-Geheimdienst als Inoffizieller Mitarbeiter angeworben wurde. Veranstalter: Stasi-Unterlagen-Archiv Leipzig.

Am Sonntag, den 6. Oktober 2019, läuft der Film „Das Wunder von Leipzig. Leipzig im Herbst 1989“: Tausende DDR-Bürger gehen auf die Straße. Das Volk begehrt auf gegen einen Staat, der seine Bürger unterdrückt, bespitzelt und überwacht. Der Mut der Bürger in Leipzig, ihre Zivilcourage und ihr Einsatz für Demokratie legten den Grundstein für die erste friedliche Revolution der deutschen Geschichte. Es ist die Geschichte vom „Wunder von Leipzig“. Veranstalter: Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Am Montag, den 7. Oktober 2019, wird mit dem Film „Das schweigende Klassenzimmer“ gezeigt, dass Rebellion nicht immer laut sein muss. 1957 entscheidet sich eine Schulklasse geschlossen dafür, eine Schweigeminute für die Opfer des Volksaufstandes in Ungarn einzulegen. Ihr stiller Protest gegen die Gewalttaten bleibt nicht ohne Folgen und stellt sie alle vor eine lebensverändernde Entscheidung. Veranstalter: Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig.

Am Dienstag, den 8. Oktober 2019, wird der Film „Barbara“ präsentiert. Das Drama zeigt das Schicksal einer jungen Ärztin aus Ost-Berlin, die im Sommer 1980 von der Charité in ein Provinzkran¬kenhaus an der Ostseeküste versetzt wird, nachdem sie einen Ausreiseantrag gestellt hat. Dort wird sie von ihrem neuen Chef bespitzelt. Trotz allem bereitet sie mit ihrem Geliebten ihre Flucht über die Ostsee nach Dänemark vor.Veranstalter: Bürgerkomitee Leipzig e.V., Träger der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“.

Organisatorischer Ansprechpartner: Bürgerkomitee Leipzig e.V.

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