Ruf aus Leipzig

Der entscheidende Tag der Friedlichen Revolution war der 9. Oktober 1989 in Leipzig, als 70.000 Demonstranten die kommunistische Diktatur stürzten. Damit wurde in Leipzig Nationalgeschichte geschrieben und der Weg zur Einheit Deutschlands frei. Die Formel, die dies am besten ausdrückt heißt „40 + 20 = 60“.

Die „Initiative Tag der Friedlichen Revolution“ hat sich das Ziel gesetzt, im Vorfeld des 60. Jahrestags der Bundesrepublik Deutschland diese Formel mit einem Aufruf in die Öffentlichkeit zu bringen.

Persönlichkeiten des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens der Stadt Leipzigs haben diesen Aufruf unterzeichnet. 

 

„40 + 20 = 60 Jahre Bundesrepublik“

 Im Jahr 2009 wird an die Gründung der Bundesrepublik vor 60 Jahren erinnert werden, an einen Tag, an dem im westlichen Teil Deutschlands die Lehren aus der Vergangenheit gezogen wurden und eine bis heute stabile Demokratie gleichberechtigter Partner in die westliche und europäische Völker- und Wertegemeinschaft geschaffen. Den Menschen in der kommunistischen deutschen Diktatur blieb dieser Weg für vier Jahrzehnte versperrt. Sie lebten in einer totalitären Diktatur unter dem Diktat der sowjetischen Hegemonialmacht. Erst durch die Friedliche Revolution beendeten die Menschen in der DDR 1989 diesen erzwungenen und unfreien Zustand. Sie errangen ihre Freiheit und schufen gleichzeitig die Voraussetzung für die deutsche Wiedervereinigung und den weiter voranschreitenden europäischen Einigungsprozess.

Vor diesem Hintergrund ist das Jahr 2009 auch das Jahr der 20. Wiederkehr der Friedlichen Revolution von 1989 mit ihrem Höhepunkt in Leipzig am 9. Oktober, als 70.000 Demonstranten mit dem Ruf „Wir sind das Volk!“ das SED-Regime stürzten. Die jüngste deutsche Geschichte lässt sich mit diesem Scheitelpunkt einteilen in 40 Jahre der Zweistaatlichkeit und darauf folgend in 20 Jahre eines vereinten Deutschland.

„40 + 20“ ist die Formel, die dies und eine gemeinsame Sicht der Ost- und Westdeutschen auf ihre Geschichte ausdrückt. Die Friedliche Revolution ist ein wesentlicher Teil der demokratischen Traditionslinie der Bundesrepublik und gehört als erster gelungener antidiktatorischer Aufstand zu den besonderen Ereignissen unserer Geschichte, auf den alle Deutschen stolz sein können. Die Demokratie wurde im Osten Deutschlands 1989/90 von den Bürgern selbst errungen und in gesellschaftlicher Selbstvergewisserung ein zweites Mal bestätigt. 

„40 + 20“ bedeutet auch, sich mit der vierzigjährigen Geschichte der zweiten deutschen Diktatur auseinander zu setzen und hier nicht den Nostalgikern das Feld zu überlassen. Festigung der Demokratie bedeutet ständige, nicht nachlassende Kritik an beiden, nicht gleichzusetzenden, deutschen Diktaturen. Diese muss verbunden sein mit dem Bekenntnis zu Freiheit, Demokratie, Wahrung der Menschenrechte und sozialer Marktwirtschaft. Der europäische Gedanke wird sich nur auf dieser Grundlage weiter erfolgreich entwickeln. Friedliche Revolution und Wiedervereinigung gehören zu den großen Daten der deutschen Nationalgeschichte und können die Identität begründen, die einer selbstbewussten Bundesrepublik im sechzigsten Jahr ihres Bestehens angemessen ist und in das 21. Jahrhundert weist.

Das Jubiläum 2009 sollten alle Bürger der Bundesrepublik als einen Meilenstein der deutschen Geschichte feiern können. Es ist die Chance, die positiven Traditionen der Friedlichen Revolution angemessen in der gesamtdeutschen Geschichte zu verankern und wieder stärker für die Werte von Freiheit und Demokratie zu sensibilisieren.

Leipzig, den 18. Juni 2007

 

Unterzeichner:

Prof. Kurt Masur, Ehrenbürger der Stadt Leipzig, Gewandhauskapellmeister 1970-1996

Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig

Prof. Friedrich Wilhelm Mohr, Ärztlicher Direktor Herzzentrum Universität Leipzig

Prof. Georg Christoph Biller, Thomaskantor Leipzig

Pfarrer Christian Führer, Nikolaikirche Leipzig

Walter Christian Steinbach, Regierungspräsident Leipzig

Dr. Jörg Junhold, Geschäftsführer Zoo Leipzig

Christine Clauß, MdL, CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag

Robert Clemen, MdL, CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag

Rainer Fornahl, MdB, SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag

Hans-Dietrich Genscher, Bundesminister d. D.

Katrin Göring-Eckardt, MdB, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Deutschen Bundestag

Gunther Hatzsch, MdL, Vizepräsident des Sächsischen Landtags, SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag

Dr. Rolf Jähnichen, MdL, CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag, Staatsminister a.D.

Gisela Kallenbach, MdEP, Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen, Grüne / EFA im Europäischen Parlament

Volker Kauder, MdB, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

Konstanze Krehl, MdEP, Fraktion SPD / SPE im Europäischen Parlament

Dr. Helmut Kohl, Bundeskanzler a.D.

Holger Kramer, MdEP, Fraktion FDP, ALDE im Europäischen Parlament

Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestags

Monika Lazar, MdB, Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Deutschen Bundestag

Dr. h. c. Erich Loest, Ehrenbürger der Stadt Leipzig, Schriftsteller

Prof. Dr. Georg Milbradt, Ministerpräsident des Freistaats Sachsen

Cornelia Pieper, MdB, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag

Dr. Harald Ringstorff, Bundesratspräsident

Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D.

Jutta Schmidt, MdL, CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag

Rolf Seidel, MdL, CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag

Dr. Peter Struck, MdB, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Bundesminister a.D.

Dr. h. c. Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestags

Wolfgang Tiefensee, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Mitglied des SPD-Parteivorstands

Prof. Dr. Klaus Töpfer, Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau a. D.

Christoph Waitz, MdB, FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag

Gunter Weißgerber, MdB, SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag

Dr. Guido Westerwelle, MdB, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag

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