Erinnerungsorte

Der Friedlichen Revolution im öffentlichen Raum gedenken
Um die Erinnerung an die Friedliche Revolution in Leipzig wachzuhalten und ihre Bedeutung für die Demokratie der Gegenwart deutlich zu machen, verbindet die Stadt Leipzig Elemente einer lebendigen Erinnerungskultur mit der sichtbaren Verankerung des Gedenkens im öffentlichen Raum. Vor allem im unmittelbaren Umfeld authentischer Orte der Friedlichen Revolution und unter direkter Bezugnahme auf diese Orte zeugen Denkmale von den Ereignissen des Jahres 1989.

Nikolaikirchhof – Nikolaisäule
Ausgehend von den Friedensgebeten in der Nikolaikirche eroberte 1989 der Protest den öffentlichen Raum. Als Ergebnis eines künstlerischen Ideenwettbewerbs zur Gestaltung des Nikolaikirchhofs steht dort seit 1999 die Nachbildung einer mit Palmwedeln gekrönten Säule aus dem Kirchenschiff der Nikolaikirche, mit der an den Ausgangspunkt der Leipziger Montagsdemonstrationen erinnert wird. Der Leipziger Bildhauer Markus Gläser errichtete das Kunstwerk nach einer Idee des Leipziger Künstlers Andreas Stötzner. Zwei Drittel der für die Realisierung benötigten Mittel wurden durch Spenden von Bürgern, Unternehmen und Einrichtungen erbracht.

Lichtinstallation und Brunnen
Friedensgebete und Montagsdemonstrationen haben die Leipziger Nikolaikirche weltweit zum Sinnbild für die Friedliche Revolution von 1989 gemacht. 2003 wurde die Gestaltung des Nikolaikirchhofs mit Unterstützung der Stiftung „Lebendige Stadt“ vollendet. Grundlage bildete ein Wettbewerb, den die Kulturstiftung Leipzig zusammen mit der Stadt Leipzig und der Stiftung „Lebendige Stadt“ ausgelobt hatte. Kernstücke sind, ergänzend zur 1999 errichteten Nikolaisäule, die Lichtinstallation des Leipzigers Künstlers Tilo Schulz mit 144 in das Bodenpflaster eingelassenen farbigen Glaswürfeln sowie ein von David Chipperfield (London) entworfener Granitbrunnen. Das Prinzip des Lichtkunstwerks „Öffentliches Licht“ auf dem Kirchhof, die zufallsgesteuerte Zuschaltung je eines Leuchtwürfels der Installation pro Minute, symbolisiert den langsamen Aufbau friedlicher Versammlungen und erinnert so an die Bedeutung des öffentlichen Raums als Podium der freien Meinungsäußerung mündiger Bürger. Der Granitbrunnen, elegant und einfach gehalten, soll den Kirchhof vor St. Nikolai das ganze Jahr über als Ort der Kommunikation und Ruhe erlebbar machen.

Open-Air-Ausstellung „Orte der Friedlichen Revolution“ und App „Leipzig ’89“
An 20 Originalschauplätzen in der Leipziger Innenstadt wird die Aufbruchsstimmung in der DDR 1989/90 erlebbar. Als chronologischer Rundgang angelegt, verdeutlicht die Open-Air-Ausstellung der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, wie aus den oppositionellen Aktionen Einzelner eine Massenbewegung entstand, die die SED-Diktatur in der DDR zum Einsturz brachte und den Weg zur Deutschen Einheit freimachte. Die Stelen mit den deutsch-englischen Texten und Bildern enthalten auch einen QR-Code zur Museums-App „Leipzig ‘89“. Diese bietet einen GPS-gestützten Stadtrundgang und eine Hörführung sowie über 300 historische Fotos, Dokumente und zeitgenössisches Filmmaterial. Kostenfreier Download in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Spanisch und Arabisch. www.runde-ecke-leipzig.de/herbst89-app

App ZEITFENSTER. Friedliche Revolution Leipzig
An 25 Standorten in der Leipziger Innenstadt, sogenannten Zeitfenstern, ist es möglich, historische Fotografien interaktiv mit der aktuellen Kamerasicht eines Tablets oder Smartphones verschmelzen zu lassen und historischen Wandel zu erleben: Die von der Universität Leipzig (Geschichtsdidaktik) entwickelte App macht das Handy so zur Zeitmaschine im Hosentaschenformat, der Nutzer wird zum Reisenden an historische Orte des gesellschaftlichen Umbruchs vor 28 Jahren. Neben diesem interaktiven Zugang bewahrt die App einen Schatz an zusätzlich rund 300 abrufbaren Artefakten. Diese ausschließlich originalen Dokumente aus Stasi-Akten, Flugblättern der Bürgerbewegung und zeitgenössischen Videoaufnahmen ermöglichen einen multimedialen Blick auf einen zentralen Aspekt Leipziger Stadt- und Zeitgeschichte. Durch zusätzlich integrierte Audioguides sowie eine Navigationsfunktion, die die Route zu den Zeitfenstern anzeigt, wird die Stadt Leipzig zum virtuellen Geschichtspfad an der Schnittstelle von Vergangenheit und Gegenwart. Die App ist kostenfrei auf Deutsch und Englisch für iOS und Android erhältlich. www.zeitfenster.uni-leipzig.de

Demokratieglocke
Am Eingang zur Grimmaischen Straße erinnert seit 2009 eine Demokratieglocke an die entscheidende Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989, mit der das Ende der DDR „eingeläutet“ wurde. Dabei handelt es sich um ein Geschenk der ostdeutschen Gießereiverbände an die Stadt Leipzig anlässlich des 20. Jahrestages der Friedlichen Revolution am 9. Oktober 2009. Für die künstlerische Gesamtkonzeption lobte die Kulturstiftung Leipzig einen Gestaltungswettbewerb aus, in dem sich der Künstler Via Lewandowsky aus Berlin durchsetzen konnte. Gegossen wurde die Demokratieglocke im August 2009 in Lauchhammer.

„Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ auf dem Areal der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung
Das Areal der früheren Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig zwischen Dittrichring und Matthäikirchhof soll zu einem „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ weiterentwickelt werden. Bis 1989 thronte der monströse Gebäudekomplex als „Zwingburg der SEDDiktatur“ mitten in der Stadt. Während der Friedlichen Revolution führten die Montagsdemonstrationen seit dem 2. Oktober 1989 an dem Gebäudekomplex vorbei, der am 4. Dezember 1989 friedlich besetzt wurde. So ist die „Runde Ecke“ heute sowohl ein authentischer Ort der Geschichte von Repression und Unterdrückung in der DDR als auch von der Selbstbefreiung der SEDDiktatur durch die Friedliche Revolution. Als „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ sollen sich an diesem Ort neben bereits ansässigen Einrichtungen, wie der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, der Außenstelle Leipzig des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und dem Schulmuseum, weitere Institutionen wie die Stiftung Friedliche Revolution und das Archiv Bürgerbewegung Leipzig zusammenfinden und arbeiten. So wird aus dem einst einschüchternden Ort der Diktatur ein Zentrum lebendiger Demokratie und des Austausches von Generationen zu Zeitgeschichte, Gegenwart und Zukunft.

Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal
Die Stadt Leipzig hält an dem Ziel fest, langfristig ein Zeichen für die deutschlandweite und internationale Bedeutung der Friedlichen Revolution in Leipzig im öffentlichen Raum zu setzen. In einem breiten Beteiligungsprozess soll über die Gestaltung des Verfahrens entschieden werden. Die Stiftung Friedliche Revolution wurde vom Stadtrat der Stadt Leipzig beauftragt, einen Verfahrensvorschlag zur Bürgerbeteiligung für das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig zu erarbeiten.

Europäisches Kulturerbe „Eiserner Vorhang“
Seit 2012 gehören die Nikolaikirche, die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ und der Leipziger Ring offiziell zu den Stätten des Europäischen Kulturerbes Eiserner Vorhang. Das Netzwerk Eiserner Vorhang vereint insgesamt zwölf Orte und Stätten, die für Entstehung, Existenz und Überwindung von Mauer und Stacheldraht stehen. Leipzig ist der einzige der ausgewählten Orte, der nicht an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze liegt, und verdeutlicht, dass der Fall des Eisernen Vorhangs ohne die Friedliche Revolution nicht möglich gewesen wäre. www.netzwerk-eiserner-vorhang.de

Gedenktafel „Staatssicherheit“
Ein Nachguss des originalen Hausschildes der ehemaligen Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig weist am Dittrichring 24 auf den Ort hin, von dem aus die Staatssicherheit fast 40 Jahre lang Leipzig und seine Bürger überwachte und bespitzelte. Die Tafel mit der Inschrift „Hier befand sich von 1950 bis 1989 die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig. Bürger besetzten sie während der Montagsdemonstration am 4. Dezember 1989.“ würdigt zugleich die friedliche Besetzung des Hauses als einen zentralen Akt der Selbstermächtigung der Bürger der Stadt auf dem Weg zu einer demokratischen Erneuerung des Landes. Geschaffen wurde die Gedenktafel durch den Leipziger Künstler Matthias Klemm.

Segment der Berliner Mauer
Vor der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ steht ein Stück der Berliner Mauer. Die ehemalige Stasi- Bezirksverwaltung und die Mauer symbolisieren gleichermaßen die Unterdrückung durch die SED und die Stasi. Erst diese unmenschliche Grenze mitten durch Europa, die auch im Innern des Landes gesichert wurde, ermöglichte das Funktionieren der SED-Diktatur.