Programm 9. Oktober 2019

Festakt und Rede zur Demokratie

9. Oktober | 11–13 Uhr | Gewandhaus

Zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution laden die Sächsische Landesregierung und die Stadt Leipzig am 9. Oktober 2019 zu einem gemeinsamen Festakt in das Gewandhaus zu Leipzig ein. Der Festakt ist die zentrale Feierlichkeit im Rahmen zahlreicher weiterer Veranstaltungen anlässlich des Jubiläums. Er würdigt die Friedliche Revolution als Ergebnis freiheitlich-demokratischen Handelns von Bürgerinnen und Bürgern in Sachsen. Höhepunkt des Festaktes wird die Rede zur Demokratie von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sein. Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier wird ebenfalls als Festrednerin erwartet. Grußworte überbringen der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen und der Oberbürgermeister der Stadt Leipzig. Neben hochrangigen Repräsentanten des gesellschaftlichen Lebens, darunter zahlreiche internationale Gäste, sind Zeitzeugen, Bürgerrechtler und Vertreter demokratischer Basisinitiativen zum Festakt eingeladen. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung vom Gewandhausorchester unter der Leitung von Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons. Die Teilnahme am Festakt ist nur mit persönlicher Einladung möglich. Der Festakt wird live im öffentlichrechtlichen Rundfunk übertragen.

 

 

Friedensgebet

9. Oktober | 17–18 Uhr I Nikolaikirche

Den Klang der Hoffnung spüren

Predigt: Superintendent Martin Henker
Musik: Motette „Die Hoffnung aber lässt nicht zu Grunde gehn“ von Kurt Grahl aus dem Jahr 1989
BachChor an der Nikolaikirche, Festivalorchester Leipzig
Leitung: Stephan Gogolka

Zu einem besonderen Friedensgebet lädt die Nikolaigemeinde jährlich am 9. Oktober ein. Sie erinnert damit an die Ereignisse von 1989, als die Nikolaikirche für viele Menschen ein wichtiges Symbol für die Friedliche Revolution und damit für Hoffnung auf Veränderung wurde. Von hier gingen im September 1989 die Montagsdemonstrationen aus. Auch nach Mauerfall und Wiedervereinigung finden in der Nikolaikirche regelmäßig montags Friedensgebete statt. Während des Friedensgebetes am 9. Oktober 2019 wird das neue Geläut der Nikolaikirche zum ersten Mal erklingen.

Lichtfest 9. Oktober

Auf dem Weg zum Lichtfest Leipzig
Das von der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH in Zusammenarbeit mit der Wiener Künstlerin Victoria Coeln entwickelte Konzept für das Lichtfest zu 30 Jahre Friedliche Revolution basiert auf dem Grundgedanken von Partizipation. Beraten wurde Victoria Coeln dabei von der Zeitzeugin und Bürgerrechtlerin Gesine Oltmanns (Leipzig). In einem mehrmonatigen Prozess sind daraus drei Schlüsselelemente erwachsen: das Lichtstudio, die Lichträume und der Lichtring. Auf dem Weg zum Lichtfest am 9. Oktober verschmelzen sie zu einem Gesamtkonzept.

Lichtstudio
Bereits ab Mai entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig ein öffentlicher Arbeits- und Begegnungsraum (siehe Seite 30).

Lichträume und Lichtring (Details siehe Seiten 14–30)
In Reflexion der Montagsdemos von 1989, die sich buchstäblich immer mehr Raum entlang des Ringes eroberten, werden im Vorfeld des 9. Oktober sechs Lichträume geschaffen, und zwar beginnend am Mittwoch, dem 4. September, danach an jedem darauffolgenden Montag bis zum 9. Oktober. Das Fortschreiten des Lichtes spiegelt also das Fortschreiten der Ereignisse ’89. Das Licht wird sich zunächst sukzessive Montag für Montag in Plätzen entlang des Rings entfalten, sich überwiegend „in sie hinein“ richten, am 9. Oktober dann den ganzen Ring umspannen und den Ring zum Lichtweg, zum „Lichtring“ machen.
Prägnante Forderungen des Herbst ’89 bilden die Themen für die Eröffnungen der sechs Lichträume und machen die zeitgeschichtlichen Aspekte und ihre Wurzeln unmittelbar erlebbar. Die Lichträume sind auch als Veranstaltungsraum konzipiert. An den Montagen werden sie zum Schauplatz für Bürger*innenprojekte und Performances. Sowohl bürgerschaftlich partizipative Diskurse als auch künstlerische Interventionen finden dort statt.

 

 

Grundidee

Bei all meinen Projekten habe ich eine zentrale Erfahrung gemacht: Licht lässt Menschen leuchten! Ich würde mir wünschen, dass das Licht am 9. Oktober nur Mittel zum Zweck und das Leuchten in den Augen der Teilnehmenden zum eigentlichen Lichtfest wird. Die Sprache des Lichts beinhaltet die großartige Möglichkeit, dem Bedrohlichen, den Schatten und Unschärfen mit dem Hellen, Warmen, Hoffnungsvollen zu begegnen. Kann die Sprache des Lichts Antagonismen, Spannungen und Erinnerungen, Schmerzhaftes in Schönes transformieren? – An dieser Frage arbeite ich auch hier, im Kontext des Herbst ’89.
Victoria Coeln

Warum beginnen die Lichträume ausgerechnet am 4. September?
Start des ersten Lichtraumes ist am 4. September, da dieses Datum 1989 einen wesentlichen Punkt in der Reihe der Proteste markiert: „Nach der Sommerpause kam es ab dem 4. September wieder regelmäßig im Anschluss an das Friedensgebet zu Demonstrationen und anderen Aktionen für die Genehmigung der ständigen Ausreise in die Bundesrepublik.
Am Montag während der Leipziger Herbstmesse fand auf dem Platz vor der Nikolaikirche auch eine Demonstration von Mitgliedern Leipziger Basisgruppen statt. Sie trugen große Transparente, auf denen unter anderem ‚Für ein offenes Land mit freien Menschen‘ zu lesen war. Nur wenige Sekunden nach dem Entrollen rissen junge Männer in Zivil die Plakate herunter. Darauf rief die Menge: ‚Stasi raus‘. Diese Vorgänge wurden von den anwesenden westlichen Kameras gefilmt und in die ganze Welt übertragen.
Neu an diesem Abend war auch der Ruf der Demonstranten ‚Wir bleiben hier‘. Die bis dahin bestehende Barriere zwischen den ‚Ausreisern‘, die den Platz mit dem Satz ‚Wir wollen raus‘ beherrscht hatten, und den ‚Hierbleibern‘ war gebrochen. An den folgenden Montagen demonstrierten sie gemeinsam für eine Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, wenn auch mit unterschiedlichen Motivationen“.

 

 

Lichtfest Leipzig

Herbst ’89 – Aufbruch zur Demokratie

Mittwoch, 9. Oktober 2019
Entlang des gesamten Leipziger Innenstadtrings

Eröffnung: 19 Uhr | Augustusplatz

Begrüßung durch den Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Grußworte der internationalen Ehrengäste

Als Abschluss und zugleich Höhepunkt wird der gesamte Innenstadtring zum Lichtweg, zum Lichtring. Zusätzlich zu den bereits entstandenen Lichträumen wird an diesem Tag die historische Demonstrationsstrecke mit Licht gestaltet. Dafür verwendet Victoria Coeln eine ausdrucksstarke, vielfältige Bildsprache. Bild- und Videomaterial überlagern Fassaden und Räume vielschichtig. An ausgewählten Standorten ergänzen Klangcollagen den visuellen Ansatz. In ausgewählten Lichträumen sind zwischen 20 und 22 Uhr kurze Sequenzen der bei den Eröffnungen gezeigten Aufführungen zu sehen. Ein wesentlicher Teil der Gestaltung des Lichtrings bilden Verknüpfungen von Räumen und Orten. Das geschieht durch die Projektion eines Raumes auf einen anderen. So wird nun u. a. die Leipziger „Ohrenburg“ (Stasi- Zentrale) vom Rasterraum der Nikolaikirche überschrieben. Im Vorfeld bereiste Victoria Coeln dafür Orte der Repression und des Widerstands in Leipzig, Halle, Bitterfeld-Wolfen, Bautzen, Torgau und Marienborn. Entlang des Lichtrings verweben sich so nicht nur die Herbst ’89 – Aufbruch zur Demokratie Orte miteinander, sondern auch Erinnerungen, Erfahrungen und Empfindungen.
Auf dem Augustusplatz spielen am 9. Oktober natürlich die Kerzen eine zentrale Rolle: Die Besucherinnen und Besucher werden mit über 25.000 Lichtern gemeinsam den Schriftzug „LEIPZIG 89“ zum Leuchten bringen.
Coelns Lichtsprache konzentriert sich auf vier wesentliche Elemente: Raster, Lichtlinien, Farbflächen sowie Licht- und Schattenprojektionen von Leipziger Bürger*innen. Raster werden vorab in / auf thematisch relevante Gebäude projiziert, fotografiert, auf Glas übertragen und wieder in den Stadtraum projiziert. Sie greifen die Orte von ’89 auf. Lichtlinien werden präzise in Parks, in Fassaden und in den Stadtraum eingepasst. Sie verweisen auf die zahllosen unsichtbaren Spuren, die von tausenden Demonstrierenden durch die Stadt gezogen wurden. Farbflächen spiegeln die Multichromazität und Vielfalt jeder Gesellschaft wider. Die im Lichtstudio vorab projizierten und gefilmten Schatten der Leipziger*innen mischen sich mit den neuen flüchtigen, polychromen Schatten der Besucher*innen des Lichtfestes.